Stadtretter-Podcast #30

“Innenstadt Olten: Datenbasierte Belebung”

Hier ist Folge #30 für euch!

In dieser Folge sprechen wir mit Benjamin Pipa (Citymanagement Olten) darüber, wie Innenstadt heute wirklich funktioniert: datenbasiert, mutig und nah an den Menschen. Am Beispiel von Olten wird deutlich, was möglich ist, wenn Citymanagement nicht nur verwaltet, sondern aktiv gestaltet.

Statt Bauchgefühl stehen hier echte Einblicke, klare KPIs und konkrete Maßnahmen im Fokus: von der Analyse des Ladenmixes über überraschende Erkenntnisse aus der Studie “Vitale Innenstädte”, des IFH Köln bis hin zu kreativen Eventformaten, die Frequenz und Sichtbarkeit spürbar steigern.

Dabei geht es nicht nur um Zahlen, sondern um Haltung: Wie schafft man es, dass Menschen ihre eigene Stadt wieder neu sehen und gern weiterempfehlen? Und wie wird aus einem Pilotprojekt ein nachhaltiger, politisch verankerter Prozess?

Ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen, frische Impulse für Kommunen und alle, die Innenstädte zukunftsfähig machen wollen. Wir finden ein super Beispiel praxisnah, inspirierend und direkt aus der Umsetzung.

Zum Nachlesen

Intro: Die Stadtretter – Der Podcast

Frank Rehme:

Ja, herzlich willkommen zum Stadtretter-Cast, dem wohl besten Podcast im Bereich Handel und Stadtentwicklung, den ihr hier in unregelmäßigen Abständen, aber immer mit spannenden Inhalten abrufen könnt.

Heute geht es um ein hochinteressantes Thema: Citymanagement. Dazu habe ich zwei spannende Gesprächspartner mit dabei.

Ich bin Frank Rehme, beschäftige mich seit vielen Jahren mit Handel und Stadtentwicklung und bin Teil des Stadtretter-Netzwerks.

An meiner Seite ist wie immer mein Co-Host.

Stefan Müller-Schleipen:

Hallo zusammen, hallo Frank, danke, dass ich wieder dabei sein darf.

Ich bin Gründer, Initiator und Geschäftsführer von Die Stadtretter. Wir bewegen uns auf die 1.500 Kommunen zu – alle mit dem Ziel, voneinander zu lernen und gemeinsam bessere Lösungen für unsere Innenstädte zu entwickeln.

Heute schauen wir bewusst über die Grenze, in die Schweiz. Da gibt es viel zu lernen.

Frank Rehme:

Genau, und dazu haben wir heute Benjamin Pipa bei uns. Benjamin, stell dich doch bitte kurz vor.

Benjamin Pipa:

Hallo zusammen und Grüezi miteinander. Ich bin Benjamin Pipa, seit Juni 2024 Citymanager der Stadt Olten.

Weiterlesen

Citymanagement ist in der Schweiz noch ein sehr junges Thema. Die ersten Positionen wurden erst vor etwa fünf Jahren geschaffen.

Ich selbst komme ursprünglich aus der Kreativbranche, ich war Filmproduzent. 2017 bin ich mit meiner Familie nach Olten gezogen.

Ein entscheidender Punkt war, dass meine Frau 2023 hier ein Geschäft für Kinderkleidung eröffnet hat, aus einer klaren Marktlücke heraus. Das Konzept lief von Anfang an sehr gut, vor allem durch eine hybride Strategie, also online und offline.

Durch diesen Prozess sind wir tief in die lokalen Strukturen eingetaucht und so bin ich schließlich zum Citymanagement gekommen.

Frank Rehme:

Du hattest ja eine besondere Ausgangssituation. Du konntest Citymanagement komplett neu aufbauen. Wie bist du gestartet?

Benjamin Pipa:

Ganz klar mit Daten und Lernen.

Wir haben zuerst den gesamten Bestand erfasst. Welche Läden gibt es, wo sind Leerstände, wie ist der Branchenmix.

Olten ist mit rund 20.000 Einwohnern überschaubar, das hat uns geholfen, eine sehr detaillierte Datengrundlage zu schaffen.

Mein Ziel war von Anfang an ein digitales, messbares Citymanagement.

Stefan Müller-Schleipen:

Genau das ist der richtige Ansatz. Innenstädte müssen aktiv gesteuert werden, wie ein Center.

Benjamin Pipa:

Ein wichtiger Schritt war die Teilnahme an der Studie „Vitale Innenstädte“.

Wir haben rund 500 Interviews durchgeführt, direkt vor Ort mit Tablets.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse war, dass der sogenannte Net Promoter Score relativ niedrig ist. Viele Einwohner würden ihre eigene Stadt nicht aktiv weiterempfehlen.

Das ist typisch für kleinere Städte, aber bei uns war der Wert sogar unterdurchschnittlich.

Frank Rehme:

Welche konkreten Erkenntnisse habt ihr daraus gezogen?

Benjamin Pipa:

Ein paar Beispiele.

Sauberkeit wurde sehr positiv bewertet.

Es fehlten konsumfreie Sitzmöglichkeiten.

Es gab den Wunsch nach mehr Erlebnissen in der Innenstadt.

Und die Wahrnehmung war, dass es zu wenig Bekleidungsgeschäfte gibt, obwohl das faktisch nicht stimmt.

Das zeigt, dass Wahrnehmung und Realität oft auseinandergehen.

Stefan Müller-Schleipen:

Das ist ein riesiges Thema. Viele Städte werden schlechter gesehen, als sie eigentlich sind.

Benjamin Pipa:

Genau. Deshalb haben wir Maßnahmen entwickelt, die genau dort ansetzen.

Ein Beispiel ist der „Tag der Oltner Modemeile“.

Wir haben einen Kilometer Laufsteg durch die Stadt gelegt, lokale Händler eingebunden und eine Stempelkarten-Aktion umgesetzt. Dazu gab es ein Gewinnspiel mit Gutscheinen.

Das Ziel war, Menschen dazu zu bringen, neue Läden zu entdecken und Hemmschwellen abzubauen.

Das hat hervorragend funktioniert und wir bauen das Format jetzt weiter aus.

Frank Rehme:

Wie finanziert ihr solche Aktionen?

Benjamin Pipa:

Am Anfang hatten wir kein eigenes Projektbudget.

Deshalb haben wir mit Sponsoring gearbeitet, mit Beteiligung der Händler und Unterstützung durch die Stadt, zum Beispiel durch Gebührenbefreiungen.

Mittlerweile gibt es zusätzlich Mittel aus der City-Taxe.

Wichtig ist, dass alle Beteiligten ihren Beitrag leisten.

Stefan Müller-Schleipen:

Und genau das ist entscheidend, denn Leerstand kostet Städte massiv Geld.

Benjamin Pipa:

Absolut. Deshalb müssen Maßnahmen auch wirtschaftlich sinnvoll sein.

Ein Event muss Umsatz bringen, neue Kunden generieren und die Motivation der Händler stärken.

Frank Rehme:

Was sind eure nächsten Schritte?

Benjamin Pipa:

Ein paar zentrale Projekte sind die Weiterentwicklung des Citymanagements, ein Foodtrail zur Belebung der Innenstadt, ein Schulungsprogramm mit dem Titel „Digital präsent, lokal erfolgreich“, die Verbesserung der Barrierefreiheit und natürlich weiterhin der Fokus auf Leerstand und Branchenmix.

Stefan Müller-Schleipen:

Ich glaube, viele Städte können sich davon eine Menge abschauen.

Frank Rehme:

Dem kann ich mich nur anschließen. Vielen Dank für die spannenden Einblicke.

Benjamin Pipa:

Danke für die Einladung.

Alle:

Tschüss.

Outro: Die Stadtretter – Der Podcast